Briefe an mich und anderes – Nach dem Buch ist vor dem Buch

Ich möchte mich an dieser Stelle, zumal der Jahreswechsel kurz vor der Tür steht, all jenen danken, die mir in so vielen Briefen Details zu ihrem aussergewöhnlichen Leben mit Rohkost mitteilten und mir auch schrieben, wie sehr sie sich in meinem Buch wiedergefunden haben.

Einst skeptisch, ob ich mein Buch überhaupt veröffentlichen sollte, beruhigen mich die vielen positiven Rezensionen und Rückmeldungen. Danke!!!

Offenbar bestand wirklich ein Bedarf an meinem Versuch, die umstrittene Instincto-Therapie greifbar und transparent zu machen, in all ihren Höhen und Tiefen.

Zugegebenermassen erstaunt es mich, dass es auch heutzutage immer noch Menschen gibt, denen es gelingt, Instincto durchzuhalten, obwohl es, wie ich finde, nie schwieriger war dies zu tun, und zwar aufgrund dreier Umstände: Die Nahrungsmittel-Qualität (besonders Fleisch), die ausufernde Hochfrequenztechnik (WLAN, Smartphones, etc.) und der allgemeine Trend zu Oberflächlichkeit und Kurzzeit-Diäten.

In vielen der Briefe an mich wurde ich gefragt, wie es heute nach dem Buch um mich steht, wie es Yashila geht und wie wir unser Leben gestaltet haben.

Ich habe dazu jeweils persönlich Stellung genommen und werde dies auch weiter tun, scheue mich aber, hier öffentlich Details zu nennen und zwar aus dem Grund des Datenschutzes und der Wahrung der Privatsphäre, da Yasila und ich im öffentlichen Dienst tätig sind, wir zahlreiche Kontakte haben rundum und Instincto so gut als möglich nicht „an die grosse Glocke hängen“. Das wenige, was man im beruflichen Umfeld von uns mitbekommt, ist schon ungewöhnlich genug, erschreckend und abschreckend für die meisten, aber gering genug, um uns noch als Menschen wahrzunehmen „die halt ein wenig komisch essen, aber sonst eigentlich nett und umgänglich sind“.

Folgendes kann ich aber sagen: Natürlich kam ich von Instincto nicht mehr richtig los, zu umfassend war die körperlich-geistige „Transformation“ (ich mag dieses Wort nicht, aber es passt nirgendwo besser als hier). Allerdings habe ich mir die Feiheit genommen, alles zu essen, was ich will, ohne Rücksicht auf dessen Zustand und Herkunft, genauso wie es alle Haustiere auch tun. Das klingt irgendwie schräg, trifft es aber im Kern: Als Instincto-Rohköstler in dieser zivilisierten Welt ist man zwangsläufig ein „Haustier“, ein Wesen, halb in seiner Natur wurzelnd, halb vom Komfort der Moderne durchdrungen und versorgt. Und viele Haustiere wie Hunde, Katzen und Pferde kommen recht gut über die Runden, wenn man sie gemischt roh und gekocht versorgt. Auch wenn sie natürlich die gleichen Krankheiten wie wir Menschen bekommen. Was übrigens wiederum ein indirekter Beweis für die Richtigkeit der Instincto-Theorie ist.

Ich war schon immer ein Mensch, dem Einschränkungen jeder Art zuwider sind. Diese Abhängigkeit von Orkos und dieser immense Zeitaufwand, den wir betrieben haben (und zum Teil leider immer noch betreiben müssen) um ausreichend gute Nahrungsmittel zu bekommen, entspricht so ganz und gar nicht meiner „Seele“. Immer wieder bekam und bekomme ich Wutanfälle deswegen, so dass sich folgende Haltung auf Dauer durchsetzte: Kein grosser Aufwand mehr wegen dem Essen! Lieber mal eine "Ausnahme",  die passt, als dieses abartige, energieaufwändige Rumlaufen nach gutem Food!

Ich könnte ein ganzes Buch nur zu dem Thema „Auf der Suche nach gutem rohen Fleisch“ schreiben, ein finsteres Buch, da es zeigt, wie tatsächlich die guten Dinge verschwinden und sich ein minderwertiger Mainstream breit macht. Ganz sicher nehme ich mir Dinge zu Herzen, die für andere kein Problem sind. Mich erschüttern Kleinigkeiten, über die andere einfach hinweggehen, so dass ich letzlich meine ambivalente Haltung zu eigentlich allem nicht aufgeben kann. Meine Skepsis und kritische Haltung gegenüber allem, was sich irgendwie „nicht richtig“ anfühlt, bewahrt mich vor klaren Entscheidungen -  eine hinderliche Eigenart.

Nun, prozentual gesehen mache ich heute zwischen neunzig und hundert Prozent Instincto, völlig regellos, mal esse ich fünf Tage am Stück nur brav roh, dann wieder mal Stück angebratenes Fleisch, zwar Bio, aber halt denaturiert. Ich esse hin und wieder auch rohen oder geräucherten Fisch, je nach Lust und Laune und Wut (s.o).

Jede andere Art von Ausnahme, die sehr selten auch mal vorkommt aufgrund von Mangel und Wut (s.o.), geschieht bei mir mit grosser Vorsicht und Umsicht, da ich die Folgen natürlich brutal merke und von vorneherein abfedere, indem ich alles in Massen halte, keine Gier und Zügellosiggkeit walten lasse. Ich halte dies einigermassen gut durch.

Hardliner schütteln natürlich den Kopf über diese fehlende Konsequenz und variable Selbstschädigung, kann ich gut verstehen, und ein Teil von mir gibt allen Kritikern recht. Aber besser geht’s halt momentan nicht. Dazu müsste ich woanders leben, mehr in der Natur, mehr ganz weit weg von diesem aufgeheiztem Hochkomfort-Leben (Smartphone/Tablet/Auto/Strom- und Funkmasten) am Zürichsee. Vielleicht, im Alter, lande ich dort - in einem der letzten Paradiese, die ja, zum Glück, immer noch von irgendwem irgendwo aufgebaut werden. Man sieht sich dort!

Und Yashila? Sie lebt Instincto konsequenter als ich, aber die ganze Fleischversorgungsproblematik macht ihr enorm zu schaffen, da sie, wie ich schon im Buch schrieb, einen ganz besonderen inneren Bezug zu tierischem Eiweiss hat (offenbar, wie mir letzthin jemand sagte, gilt dies generell für Menschen mit Blutgruppe Null. Eine interessante Theorie, die nach meiner Alltagserfahrung tatsächlich stimmt).

Auch werde ich immer wieder gefragt, ob und wenn ja wo ich Vorträge halte und ob ich nicht beispielsweise mal an der jährlichen Gesundheitsmesse in Bad Waldsee erscheinen möchte.

Liebe Leser und Rohkost-Freunde, danke für diese Einladungen und Vorschläge, die mich jedesmal berühren, anregen – aber auch in eine innere Verzweiflung stürzen.

Ich hatte hier am Zürichsee angefangen mit Vorträgen, private Beratungen und solcherlei, aber mich nahm es zu sehr mit, wie ich die Leute in ihr Elend des Loslassen-Müssens stürzte. Ich hielt es einfach nicht aus, zu sehen, WIE SEHR die Menschen an ihrem Essen hängen. Ich fühlte mit, wie der "Kleinkindkampf" um Liebe und Überleben hochkommt, sich ausbreitet in allen Facetten aus Mimik, Gestik und Worten. Ich kam mir vor wie ein Todesengel - und nicht wie jemand, der von Gesundheit spricht. 

Insofern ist in meinem Buch alles gesagt worden, was es zu dem Thema Ernährung zu sagen gibt.

Nur eins noch, nur ein kleiner zaghafter Versuch von Aufruf an dieser Stelle: Liebe/r Leser/in – leg Dein Smartphone weit weg, schalte es am besten immer sofort aus nach Gebrauch, stelle Dir keinen WLAN-Sender ins Zimmer und flüchte, so gut es geht, vor jenen von nebenan. Diese Energiefelder sind ähnlich zerstörerisch wie denaturiertes Essen! Ich teste dies verstärkt seit zehn Jahren auch mit Hilfe eines ganzen Arsenals an Messgeräten. Alle, die jetzt meinen, das ist Blödsinn, die Strahlung tut nix, denen sage ich an dieser Stelle: Siehst Du, genau aus diesem Grund halte ich keine Vorträge mehr.  Ich ertrage diesen Kampf um das Festhalten an schädlichen Gewohnheiten nicht.

Bleibt gesund und wachsam und achtet auf folgende Regel: Haltet euch an keine Regeln, ausser eure eigenen!

(Ach ja, und wascht euren Biofood gut! Es grassiert das Kupfervitriol-Virus im System, und fast keiner merkt’s, und noch weniger wissen es, und die meisten von uns glauben: Kupfer, was Kupfer? Das macht doch nix!  Na dann  ... ist es ja gut, oder?)

 

Jens Hafner

25.12.14